CO2-Kompensation als Weg zur klimaneutralen Schule
CO2-Kompensation als Weg zur klimaneutralen Schule
Was ist CO2-Kompensation?
Bei der Diskussion um Klimaneutralität und Kompensation unterscheidet man zwischen vermeidbaren und (zurzeit) nicht vermeidbaren Treibhausgasemissionen. Ein Beispiel hierfür ist unsere Ernährung: Denn selbst wenn diese komplett pflanzenbasiert ist, entstehen durch Produktion, Transport und Zubereitung von Lebensmittel klimaschädliche Emissionen.
Grundgedanke der Kompensation ist es – vereinfacht gesagt – den Ausstoß einer bestimmten Menge an Treibhausgasemissionen, der an einem Ort der Welt nicht vermieden wird, an einem anderen Ort der Welt mit Klimaschutzprojekten zu verhindern.
Weitere Informationen zu Klimaneutralität und der häufig kontrovers diskutierten Kompensation gibt es hier.
Unvermeidbare Treibhausgase in Schulen durch:
In Schulen entstehen nicht-vermeidbare Emissionen zum Beispiel in folgenden Bereichen:

Strom
Auch die Menge des benötigten Stroms kann und sollte durch Verhaltensänderungen vermindert werden. Sofern der benötigte Strom noch nicht durch eine eigene Photovoltaikanlage geliefert wird, verursacht der Stromverbrauch der Schule einen nicht-vermeidbaren CO2-Ausstoß, der nur durch die CO2-Kompensation bilanziell klimaneutral werden kann.

Mobilität
Der CO2-Ausstoß durch Schulwege von Schüler:innen und Lehrkräften beträgt durchschnittlich rund 40 Prozent. Entscheidend sind Anzahl und Länge der Fahrten. Um die Kompensation fair zu gestalten, sollte in der Schulgemeinschaft darüber nachgedacht werden, ob diejenigen, die vermeidbare Emissionen verursachen, die Kosten selbst bezahlen. Die Alternative ist, die Kosten durch einen gemeinsamen Spendenlauf mit den anderen Kompensationskosten zu begleichen.
Während sich viele Tagesausflüge und Klassenfahrten emissionsarm gestalten lassen, sind internationale Kontakte außerhalb Europas ohne Flugreisen nicht möglich. Wenn die Entscheidung für einen interkulturellen Austausch über den europäischen Raum hinaus getroffen wurde, entstehen nicht-unvermeidbare Emissionen. Diese können nur durch Kompensation ausgeglichen werden. Es sollte thematisiert werden, wie diese gerecht innerhalb der Schulgemeinschaft erbracht werden können.

Heizung
Die Menge der benötigten Heizungsenergie kann und sollte durch Verhaltensänderungen und weitere Maßnahmen gesenkt werden.
An Schulen, wo der Schulträger noch keine Wärmedämmung und Heizungsumstellung durchgeführt hat, gehören die CO2-Emissionen zu den (noch) nicht- vermeidbaren Emissionen. Entsprechend kann die Schule ohne CO2-Kompensation nicht bilanziell klimaneutral werden.

Schulverpflegung
Selbst wenn sich alle Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte rein pflanzlich ernähren würden, wäre das Schulessen nicht CO2-frei. Bei Produktion, Transport und Zubereitung von Lebensmittel lassen sich CO2-Emissionen nicht restlos vermeiden.
Trotzdem lässt sich die Menge der Treibhausgase durch vegetarische oder vegane Mahlzeiten deutlich mindern. Da der größte Teil der Kompensations-Kosten durch die Mahlzeiten mit Fleischanteil verursacht wird, wäre es fair, diese Gerichte mit einem Aufschlag anzubieten
Maßnahmen zur Kompensation
Die Tatsache, dass es in ganz Deutschland keine emissionsfreie Schule gibt, zeigt, dass Klimaneutralität ohne Kompensation derzeit nicht erreichbar ist. Auch bei intensiver Energieeinsparung benötigen Schulen eine CO2-Kompensation als zurzeit einzige Möglichkeit, um bilanziell klimaneutral zu werden.
Eine Schule könnte wie jede Privatperson ihren unvermeidbaren CO2-Ausstoß durch Zahlung einer freiwilligen Kompensationsgebühr an seriöse Anbieter nach dem Konzept der „Klimaverantwortung“ (auch „Contribution Claim“) ausgleichen. Diese freiwilligen Kompensationen sind zweifelsfrei ein Beitrag zum Klimaschutz, können jedoch für eine bilanzielle Klimaneutralität nicht angerechnet werden.
Eine andere Möglichkeit ist die Kompensation über seriöse Anbieter wie Atmosfair. Diese führen Kompensationsprojekte zumeist in Ländern des globalen Südens durch. Die Kompensation erfolgt dort in den Bereichen Energieeffizienz und erneuerbare Energien wie den Bau von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien oder von effizienten Öfen. Es gibt aber auch einige Projekte, mit denen Umweltbildung an deutschen Schulen unterstützt wird (diese werden aber von Atmosfair nicht angerechnet).
Die Schule erhält von dem Kompensationsanbieter ein Zertifikat, also einen Nachweis, in dem zugesichert wird, dass das gezahlte Geld in ein zertifiziertes Projekt wie den Bau von Solaranlanlagen investiert und dadurch die vereinbarte Menge an CO2 eingespart wird.
Finanzierung der Kompensation
Der Kompensationsanbieter Atmosfair berechnet 30 Euro für die Kompensation einer Tonne CO2 (Stand Januar 2026). Eine Schule mit hundert Tonnen (= 100.000 Kilogramm) CO2-Ausstoß benötigt also 3.000 Euro für ihre Kompensation!
Klimaneutralität gibt es nicht umsonst! Daher ist es wichtig, den CO2-Ausstoß jedes Jahr weiter soweit möglich weiter zu vermindern.
Um die nicht vermeidbaren Emissionen zu finanzieren und bilanziell klimaneutral zu werden, haben sich Spendenläufe an den Schulen bewährt („Wir laufen für das Klima!“). Der Durchschnittserlös von zwanzig an niedersächsischen Gymnasien in den Jahren 2015 bis 2019 durchgeführten Spendenläufen betrug 17.000 Euro. Damit können Schulen – trotz nicht-vermeidbarer Emissionen – das Ziel der Klimaneutralität erreichen.
Eine andere Möglichkeit ist, über ein schuleigenes Entwicklungsprojekte zu kompensieren, wie es der Verein „Wasser für Kenia“ anbietet
Wasser für Kenia e.V.
Eine Reihe von norddeutschen Schulen hat schuleigene Entwicklungsprojekte in Kenia, die vom Verein „Wasser für Kenia e.V.“ vermittelt wurden und betreut werden: Damit die afrikanischen Mädchen in der langen Trockenzeit nicht Wasser holen müssen, anstatt zur Schule zu gehen, werden von ihren Eltern unter Anleitung von einem Wasserbauingenieur und zehn speziell ausgebildeten Handwerker:innen Zisternen gebaut.
Diese sammeln während der kurzen Regenzeit das Regenwasser von den großen Schuldächern und speichern es für die Trockenzeit. Die deutschen Schulen spenden das Baumaterial und die Bezahlung der Fachleute: Es ist „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Auf den Wassertanks befinden sich die Namen und Logos der deutschen Spenderschulen. Für diese Schulen und solche, die es werden wollen, bietet der Verein folgendes Kompensationsprojekt an
Holzsparende Öfen als Maßnahme zur Kompensation in Kenia
Nicht nur in den Privathaushalten des ländlichen Raumes in Ostafrika, sondern auch in den ländlichen Schulen wird noch immer auf drei Steinen statt auf einem Herd gekocht. Dies bedeutet, dass die Schulkinder am Wochenende nicht nur für ihre Familien, sondern auch für die Schulküche Holz sammeln müssen.
Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) zeigen, dass jede Primary School (Jahrgang 1 – 8) mit etwa 300 Kindern 160 Tonnen Feuerholz im Jahr zum Kochen benötigt.
Die GIZ hat eine Lösung gefunden und „holzsparende“ Öfen konstruiert.
Diese werden aus Zement und gebrannten Ziegelsteinen in ganz bestimmten Formen und Maßen in die Küchen gebaut. Es gibt kleine Typen für die Haushalte und große für die Schulen. Nach den Untersuchungen der GIZ spart ein solcher Ofen meistens 50 Prozent des Feuerholzes. Das entspricht dem Erhalt von 4,8 ha Wald. Etwa 100 Tonnen CO2 werden durch die Nutzung dieser Schulöfen im Jahr vermieden. Außerdem werden Erkrankungen der Köchinnen in den Schulen drastisch vermindert, da diese nicht mehr in stark verqualmten Räumen arbeiten müssen. Bevor die holzsparenden Öfen an den Schulen die Drei-Steine-Kochmethode ablösen können, müssen spezielle Ofenbauer ausgebildet werden.
Schulküche mit Drei-Steine-Methode
Holzsparender Schulofen
Schulküche mi Drei-Steine-Methode
Holzsparender Schulofen
Der Verein „Wasser für Kenia e.V.“ (eine Gruppe ehrenamtlich arbeitender Lehrkräfte) lässt durch seine kenianische Partnerorganisation solche holzsparenden Öfen als Kompensationsprojekte bauen. Durch die ehrenamtliche Arbeit des Vereins ist diese Kompensation preiswerter als bei professionellen Anbietern. Wegen der klimawandelbedingten aktuellen Hungerssituation in Kenia wurde die Ausgabe von Essen in den Schulen zeitweise ausgesetzt. Solange die Schulöfen nicht genutzt werden, kompensiert der Verein durch den Bau von holzsparenden Öfen in privaten Haushalten, die im Einzugsgebiet der beteiligten Schulen liegen.
Da die Zahl der in Frage kommenden kenianischen Schulen ebenso wie die Zahl ausgebildeter Ofenbauer:innen begrenzt ist, kann diese Kompensation zur Zeit nur von deutschen Schulen in Anspruch genommen werden, die sich zugleich für schuleigene Entwicklungsprojekte engagieren. Deutsche Schulen unterstützen mit ihren Kompensationszahlungen jeweils die kenianischen Schulen, an denen sie auch ein Wasserprojekt ermöglichen. Sichtbar wird dies an den Wänden der kleinen Schulküchen, wo die Namen und Logos der jeweiligen deutschen Schule aufgemalt wird. Es gibt also eine individuelle Beziehung zwischen den beteiligten Schulen aus Deutschland und Kenia, was die pädagogische Bedeutung dieser Kompensationsmöglichkeit erhöht.
Wassertank mit Logo vom
Phoenix Gymnasium/Wolfsburg
Bemalung eines Küchenhäuschens mit Schulofen vom Philipp-Melanchthon-Gymnasium/Meine
Wassertank mit Logo vom
Phoenix Gymnasium/Wolfsburg
Bemalung eines Küchenhäuschens mit Schulofen vom Philipp-Melanchthon-Gymnasium/Meine
Durch einen Spendenlauf können der Bau einer Zisterne und von holzsparenden Öfen finanziert und umgesetzt werden.
Hier wird also ein schuleigenes Entwicklungsprojekt mit einem Kompensationsprojekt von einer deutschen Schule an einer kenianischen Schule verbunden. Die deutschen Schülerinnen und Schüler engagieren sich …
sowohl für die Verminderung der Folgen des Klimawandels
Siehe: Wasser für Kenia
als auch für die Verminderung der Ursachen des Klimawandels
CO2-Einsparung an der eigenen Schule und Kompensation der dort unvermeidbaren Emissionen.
Kontakt: info@wasser-fuer-kenia.de

